Das All-Star-Game zwischen Straubing und Deggendorf im Jahre 1997 war sicherlich die größte Veranstaltung die der RSC Pillnach je organisiert hat.
Zahlreiche Medien in Straubing und Deggendorf aber auch von Regensburg über Landshut bis nach Rosenheim berichteten bereits Monate vor dem Termin über das Mega-Event und auch das Engagement von Sponsoren und die Begeisterung in der breiten Öffentlichkeit war kaum zu bremsen. Mit der Idee, als Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 15jährigen RSC-Bestehen, ein Spiel zwischen den konkurrierenden Nachbarstädten mit den Stars aus den 70er und 80er Jahren auszutragen, hatten die Verantwortlichen beim RSC einen Volltreffer gelandet. Beide Städte dümpelten damals mit ihren Eishockeyvereinen in den Tiefen der unteren Ligen und so waren alle heiß auf die Begegnung mit den Stars vergangener Tage.
Das Interesse aus Nah und Fern war so groß, dass bereits mehrere Tage vor dem Spiel diverse Fanartikel ausverkauft waren. Zahlreiche Zeitungsartikel, Vorankündigungen, Berichte in den Stadionheften der Eishockeyvereine der umliegenden Städte und Interviews der auflaufenden Stars, sowie ein grandios laufender Kartenvorverkauf, ließen die Verantwortlichen kurz, an der für die Eisbären üblichen, perfekten Umsetzung zweifeln. Aber weit gefehlt, mit dem Einsatz aller Vereinsmitglieder (Kartenkontrolleure, Platzanweiser, Parkplatzwächter usw.) und der nahezu peniblen Organisation der RSC-Führung (Flüge, Abholung, Übernachtung, Autos, Kartenvorverkauf, Trikots, Autogrammstunden, Fototermin, Verpflegung, Eistraining, Ausrüstungen, Interviewanfragen uvm) wurde aus dem Spiel und den zahlreichen Veranstaltungen im Umfeld (Hobby-Turnier, Playersparty, Trikotversteigerung, Abschlussfeier) eine riesen Eishockey-Gala. Selbst Wochen nach dem Spiel trudelten beim RSC immer noch Dankesschreiben von Fans und Sportredakteuren aus der gesamten Republik ein. Ein schöner und nachhaltiger Nebeneffekt der anstrengenden Organisation waren das von da an bestens funktionierende Eishockey-Netzwerk und die zahlreichen Freundschaften, die dadurch entstanden sind und bis heute bestehen. Stattliche 16.000 Mark betrug der Erlös, der zu gleichen Teilen dem Straubinger Eishockey-Nachwuchs (Anschaffung Ausrüstungen) und dem St. Vinzenzius-Heim für ambulante Krankenpflege, übergeben wurde.
Stellvertretend für das riesige Medieninteresse hier ein Bericht der Fachzeitung Eishockey News vom 19.03.1997 verfasst von Willi Lüdeking.
EISHOCKEY-BENEFIZSPIEL IN STRAUBING
Fast wie damals … Ein Spiel, in dem alte Bilder wieder laufen lernten.
Es war wie so oft: Robin erkämpft sich hinten irgendwie die Scheibe, Bob ging steil. Ein Schrei ein kurzer Blick und dann der Paß. Zentimetergenau. Wie an der Schnur gezogen zwischen den beiden Verteidigern hindurch. Die blickten sich fragend an: Du? Was ich! Aber es war schon zu spät. Bob steuerte auf das gegnerische Tor zu, eine Täuschung rechts, dann links und dann doch rechts. Der Rest war nur noch Formsache. Und dann der Stadionsprecher: „Tor für Straubing zum 6:0. Auf Vorlage der Nummer sieben, Robin Laycock, Torschütze der Spieler mit der Nummer 16, Booooob Laycooooock!“ Und tausende auf den Rängen brüllten den Namen mit.
Ja, es war wie damals. Im Straubinger Eisstadion am Pulverturm standen am Samstag die Uhren still. Mehr noch: Sie hatten sich zurückgedreht. 16 Jahre ist es her, als die Brüder Bob und Robin Laycock für den TSV Straubing die gegnerischen Abwehrreihen schwindelig spielten, in ihren zwei gemeinsamen Jahren gut 300 Tore und weit über 500 Punkte markierten. Klar sie waren die Publikumslieblinge. Unter ihnen erlebte das Straubinger Eishockey eine Blütezeit. Und die lebte am Samstagabend noch einmal auf: Die Mannschaft von damals hatte sich noch einmal zusammengefunden, hatte zu einem Revival der Extraklasse geladen. Und damit genau ins Schwarze getroffen: Fast 4000 Zuschauer nahmen die Einladung an, ließen sich in eine Zeit entführen, als sie noch jünger waren, begeisterungsfähiger, impulsiver, vielleicht eine Spur verrückter – im positiven Sinn. Da wurden Erinnerungen wach, Bilder mit Leben erfüllt, Bilder aus einer alten, längst vergessen geglaubten Zeit, einer besseren Zeit, zumindest was das Eishockey anbelangt.
Im Puzzle der Emotionen musste da auch der Gegner passen. Und wer sollte es anders sein als die Mannschaft des Deggendorfer SC, mit Stars wie Goalie Tony Thiel, Verteidiger Marten Pielmeier, Jim Setters oder Stürmern wie, Peter Poschadel oder Toni Brenner, der damals am Anfang einer langen, erfolgreichen Karriere stand. Wenn damals beide Teams aufeinandertrafen, purzelten die Zuschauerrekorde: Weit über 7000 sahen am 12. Oktober 1979 den 3:1 Sieg des TSV, mit den Laycocks als dreifache Torschützen… So viele wurden es diesmal nicht, aber trotzdem war die Kulisse für ein Benefizspiel überwältigend. Der Kreisliga-Klub RSC Pillnach hatte zu seinem 15. Geburtstag zu einem internationalen Turnier geladen, sein damaliger Vorsitzender Martin Landgraf im Sommer 1996 die Idee zu diesem Oldie-Treffen. Damals konnte er noch nicht ahnen, welche begeisterungstürme er damit entfachen würde.
Aber auch die Spieler waren überrascht: „Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass so viele Leute kommen“, konnte zum Beispiel Bob Laycock beim Warmlaufen seinen Augen nicht trauen. Selbst in den Drittelpausen gab es für die bekanntesten Spieler der Old-Stars-Straubing kein Entkommen. Blitzschnell waren Bob und Robin Laycock von Autogrammjägern umlagert. Aber auch Paul Dixon, der zuerst als Verteidiger mit der Pferdelunge, später als Trainermit gutem Näschen beim TSV viele Freunde fand. „Es ist schade, dass wir so wenig Zeit hier haben. Unglaublich, wie viele Leute sich noch an uns erinnern, wie viele Freunde wir hier haben“, war auch der Pastor überwältigt, der fest vorhat, nächstes Jahr mit seiner Familie wiederzukommen.
So auch Bob Laycock. „Wir müssen wieder kommen. Das ist unglaublich. Ich hatte nicht einmal die Zeit, nach Landshut zu fahren. Verdammt, hoffentlich sind uns unsere bekannten dort nicht böse.“ Sind sie sicher nicht. Viele von ihnen waren am Samstag in Straubing, um das Brüderpaar zu sehen, mit dem sie 1983 zum letzten Mal deutscher Meister geworden waren.
Damals stand mit Karel Gut ein Tscheche an der Bande, ebenso wie am Samstag: Zdenek Haber war in der Saison 69/70 als Spielertrainer in Straubing und ist heute der Präsident des HC Pilsen. Ihm war die Freude anzusehen, als er bei der Vorstellung an der Reihe war. Die Begrüßung der Mannschaften war einer der Höhepunkte des Abends. Das hatte der Journalist, Radio- und Fernsehkommentator Peter Schnettler übernommen. Spieler für Spieler lief ins Stadion ein, wurde im Stenogramm vorgestellt. Alleine bei den Namen Lief Ein Gänseschauer durch das Stadionrund., Viele konnten einfach nicht glauben, dass ihre Lieblinge von damals hier und heute vor ihnen standen, sie spielen würden wie vor 15 Jahren.
Na gut, das taten sie nicht. Alles war eine Spur – oder vielleicht auch mehrere – langsamer, bedächtiger. Aber was spielte das für eine Rolle? Die wesentlichen Züge waren die gleichen geblieben: Werner Lupzig hechtete im Tor wie in alten Tagen, Bohumil Kratochvils Pässe erinnerten an Schachzüge, und die Brüder „Gei“ und Peter Lupzig überzeugten durch ihre Kombination aus Technik, Kraft und Einsatzwillen. Wie damals. „Das war unser Abschiedsspiel“, sagte Günther Lupzig, der mit 694 Punkten in 356 Spielen die „Ewige“ Bestenliste des EHC Straubing anführt. Ein schöneres hätte er sich nicht vorstellen können, als mit den alten Kumpels aus der glorreichen alten Zeit.
Für die alten Kumpels aus der glorreichen alten Zeit war der Abend nach dem Match noch lange nicht vorbei. Für manchen fing er da erst richtig an. Erst das gemeinsame Essen, dann wurden bei dem ein oder anderem Gläschen Bier Familienfotos ausgetauscht, alte Erinnerungen wachgerüttelt, bis irgendwann die alten Bilder wieder laufen lernten. Und sie liefen, liefen bis in die frühen Morgenstunden…
Ach ja! Das Match endete 10:2 für Straubing. Aber das war Nebensache. Wichtiger war, dass das zehnte Tor die Nummer 16 Bob Laycock geschossen hat. Natürlich auf Pass der Nummer Sieben Robin Laycock. Gewisse Dinge ändern sich nie.
Original Spielbericht der Begegnung.

Weitere Fotos zum Spiel und den zahlreichen Events drumherum sind demnächst in der Rubrik "Bildergalerien" zu finden.
